3 min read

GoodWeave und Zertifizierung: was ein Siegel wirklich garantiert

Rückseite eines handgeknüpften Teppichs mit eingenähtem Zertifizierungslabel

Die Teppichindustrie hat eine Geschichte, die man kennen muss, um ihre Siegel zu verstehen. In den achtziger und neunziger Jahren wurde öffentlich, in welchem Ausmaß im Knüpfgürtel zwischen Indien, Nepal und Pakistan Kinder an Knüpfstühlen arbeiteten. Die Antwort darauf waren unabhängige Prüfsysteme, allen voran das 1994 unter anderem vom späteren Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi mitgegründete RugMark, das heute GoodWeave heißt. Wer heute Teppiche für den deutschen Markt einkauft, begegnet im Kern drei Siegeln, und sie beantworten drei verschiedene Fragen.

GoodWeave: wer hat geknüpft

GoodWeave ist das spezifischste Siegel der Branche, weil es für sie erfunden wurde. Lizenzierte Hersteller verpflichten sich auf den Ausschluss von Kinder-, Zwangs- und Schuldknechtschaftsarbeit, und zwar in der gesamten Fertigung, ausdrücklich einschließlich ausgelagerter Heimknüpfstühle, wo Missbrauch traditionell am unsichtbarsten war. Geprüft wird durch unangekündigte Inspektionen entlang der Lieferkette. Jeder zertifizierte Teppich trägt rückseitig ein nummeriertes Label, das sich bis zur Produktion zurückverfolgen lässt, und die Lizenzgebühren finanzieren Schul- und Rehabilitationsprogramme in den Knüpfregionen.

Ebenso wichtig ist, was GoodWeave nicht ist: kein Qualitätssiegel. Über Wolle, Knotendichte oder Haltbarkeit sagt es nichts. Es beantwortet die Frage nach den Händen, nicht die nach dem Material.

GOTS: wie wurde verarbeitet

Der Global Organic Textile Standard zertifiziert Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern und betrachtet die gesamte Verarbeitungskette: Faserherkunft, eingesetzte Chemikalien, Abwasserbehandlung, dazu soziale Mindestkriterien in den Betrieben. Zwei Stufen sind definiert, „kbA/kbT" ab 95 Prozent Biofaseranteil und „hergestellt aus x % kbA/kbT-Fasern" ab 70 Prozent. Für Teppiche ist GOTS dort relevant, wo Bio-Wolle ausgelobt wird; es ist das Siegel der ökologischen Kette.

OEKO-TEX Standard 100: was steckt im Produkt

OEKO-TEX Standard 100 prüft das fertige Produkt auf Schadstoffe, von Pestizidrückständen über Schwermetalle bis zu verbotenen Farbstoffen, nach Grenzwerten, die regelmäßig verschärft werden und oft über gesetzlichen Vorgaben liegen. Das Siegel betrachtet weder Arbeitsbedingungen noch Ökologie der Herstellung; es beantwortet die Frage, ob das Stück, das im Raum liegt, gesundheitlich unbedenklich ist. Für Schlafräume, Kinderzimmer und sensible Objektbereiche ist das die relevante Auskunft.

Drei Siegel, drei Fragen

Die Logik lässt sich in einer Zeile merken: GoodWeave prüft, wer gefertigt hat. GOTS prüft, wie verarbeitet wurde. OEKO-TEX prüft, was im Endprodukt steckt. Die Siegel ersetzen einander nicht, sie ergänzen sich, und keines von ihnen bewertet die handwerkliche Qualität eines Teppichs. Ein zertifiziertes Stück kann mittelmäßig geknüpft sein, ein herausragendes Stück kann ohne Siegel entstanden sein.

Was kein Siegel ersetzt

Siegel belegen Mindeststandards, mehr nicht. Was sie nicht ersetzen, ist die Kenntnis des Herstellers. Drei Fragen sollte jeder Anbieter konkret beantworten können: In welcher Werkstatt entsteht das Stück, und lässt sich das zeigen? Wie sind die Knüpferinnen und Knüpfer beschäftigt und bezahlt? Woher stammen Wolle und Färbung? Wer hier ausweicht, hat mit oder ohne Label ein Problem; wer offenlegt, gibt dem Siegel erst sein Gewicht. Echte Belegbarkeit beginnt bei der Rückverfolgbarkeit jedes einzelnen Stücks, und warum dieses Thema den Kern unserer Arbeit berührt, ist Kern unseres Versprechens für faire Teppiche ohne Kinderarbeit.

Für den deutschen Markt ist die Lage eindeutig: Nachweisbare Lieferkettenverantwortung ist keine Kür, sondern Einkaufsvoraussetzung, im Handel wie im Objektgeschäft. Welche Nachweise Carpetstory für Ihr Projekt erbringt, legen wir in der Anfrage transparent offen, einschließlich der Dinge, die wir noch aufbauen. Stellen Sie uns die drei Fragen; an den Antworten erkennen Sie uns.