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Persischer Knoten oder türkischer Knoten: zwei Wege, einen Teppich zu knüpfen

Persischer Knoten oder türkischer Knoten: zwei Wege, einen Teppich zu knüpfen

Am Grund jedes handgeknüpften Teppichs, unter Muster, Farbe und Flor, liegt eine Entscheidung zwischen zwei Handgriffen. Seit Jahrhunderten kennt das Handwerk im Kern zwei Arten, einen Knoten um die Kettfäden zu legen, und welcher von beiden ein Stück trägt, prägt seine Zeichnung, seine mögliche Feinheit und seinen Charakter. Wer die beiden Bewegungen versteht, hält einen Schlüssel zum ganzen Handwerk in der Hand.

Der symmetrische Knoten

Beim symmetrischen Knoten, im Handel türkischer oder Ghiordes-Knoten genannt, wird der Garnfaden über zwei benachbarte Kettfäden gelegt, hinter beiden herumgeführt, und beide Enden tauchen gemeinsam zwischen den Kettfäden wieder auf. Das Ergebnis ist ein vollständig geschlossener, fest verriegelter Knoten, der die Kette wie eine kleine Klammer umgreift.

Diese Bauart hat Folgen. Der symmetrische Knoten sitzt außerordentlich fest und macht Stücke robust und formstabil; dafür baut er etwas breiter und setzt der Feinheit der Zeichnung früher Grenzen. Sein Zuhause sind die kraftvollen, geometrischen Traditionen: Anatolien, der Kaukasus, die Nomadenteppiche, und unter den klassischen persischen Provenienzen ausgerechnet einige der berühmtesten, Täbris etwa, dessen Knüpfer mit dem Knüpfhaken im symmetrischen Knoten arbeiten.

Der asymmetrische Knoten

Der asymmetrische Knoten, im Handel persischer oder Senneh-Knoten genannt, umschlingt nur einen der beiden Kettfäden vollständig und läuft unter dem zweiten lediglich hindurch; je nachdem, zu welcher Seite er sich öffnet, spricht man von links- oder rechtsoffen. Er ist die schlankere, geschmeidigere Konstruktion: Die Knoten rücken enger zusammen, die Reihen schließen dichter, und die Zeichnung gewinnt an Auflösung.

Deshalb ist der asymmetrische Knoten das Werkzeug der feinen Linie. Geschwungene Ranken, Schriftzüge, fließende Konturen, höchste Knotendichten: Wo die Zeichnung kurvig und detailreich wird, spielt er seine Bauart aus. Persien in weiten Teilen, China und ganz wesentlich Indien knüpfen asymmetrisch; auch die Manufakturen, mit denen Carpetstory arbeitet, setzen auf diesen Knoten, aus genau diesem Grund.

Die Ironie der Namen

Wer den Begriffen zu wörtlich glaubt, wird vom Handwerk freundlich korrigiert. Die Stadt Senneh, Namenspatin des „persischen" Knotens, knüpfte ihre berühmten Teppiche überwiegend im symmetrischen, also „türkischen" Knoten, und Täbris, eine der großen persischen Adressen, tut es bis heute. Die Namen sind Handelskonventionen des 19. Jahrhunderts, keine Landkarten. Wer präzise sein will, sagt symmetrisch und asymmetrisch, und liest die Herkunft eines Teppichs an Material, Muster und Machart, nicht am Knotennamen.

Was die Wahl für ein Stück bedeutet

Für die Praxis lassen sich die Konsequenzen in drei Sätzen fassen. Die erreichbare Feinheit: Höchste Dichten und filigrane Zeichnung sprechen für den asymmetrischen Knoten; was Dichte leistet und kostet, vertieft der Essay zur Knotendichte. Der Charakter: Kraftvolle Geometrie und nomadische Direktheit sind die Domäne des symmetrischen Knotens, fließende Eleganz die des asymmetrischen. Die Haltbarkeit: Beide Knoten tragen Jahrzehnte, wenn Dichte und Material stimmen; kein seriöses Haus verkauft den einen als „besser" als den anderen, sondern wählt nach Entwurf.

Erkennen lassen sich die beiden mit etwas Übung auf der Rückseite: Der symmetrische Knoten zeigt pro Knoten zwei gleichmäßige Garnpunkte nebeneinander, der asymmetrische ein feineres, leicht versetztes Bild. Für den Hausgebrauch wichtiger ist ohnehin die Frage, ob überhaupt von Hand geknüpft wurde; die Prüfung dazu liefert der Leitfaden Echten Teppich erkennen.

Randnotizen für Genaue

Zwei Verwandte verdienen eine Erwähnung. Die tibetische Technik, in Nepal und im Himalaya zu Hause, schlingt das Garn fortlaufend um einen Metallstab, der anschließend aufgeschnitten wird; ein dritter Weg mit eigenem Flor-Charakter, der hier nur am Rande spielt. Und der Jufti-Knoten, der über vier statt zwei Kettfäden gelegt wird, ist kein dritter Weg, sondern eine Abkürzung: halbe Arbeit, halbe Dichte, halbe Haltbarkeit. Wo er auftaucht, spart jemand am falschen Ende; woran man ihn erkennt, steht im Essay zur Knotendichte.

So klein die Entscheidung zwischen zwei Handgriffen wirkt: Millionenfach wiederholt wird aus ihr der Charakter eines Stücks. Wie aus Knoten Reihen und aus Reihen Teppiche werden, zeigt Vom Entwurf zum Knoten; das große Bild des Handwerks zeichnet Handgeknüpfte Teppiche aus Indien.